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Präventionsprojekt ACHTUNG?!

Radikalisierung und Extremismus erkennen

Die zunehmende Polarisierung unserer Gesellschaft gefährdet das Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Glaubens und unterschiedlicher Herkunft. Besonders Jugendliche sind bei ihrer persönlichen Suche nach Orientierung auf jemanden angewiesen, der zuhört. Sie suchen einfache Erklärungsansätze für eine komplexe und unverständliche Welt. Radikale und extremistische Gruppierungen zeigen zunächst Interesse und Verständnis für die Sinnsuche der Jugendlichen, geben einfachste Erklärungen und verschleiern ihre eigentlichen Absichten. Durch ihre Sehnsucht nach Anerkennung, Vertrauen und Zugehörigkeit sind Jugendliche meist besonders empfänglich für Impulse aus rechtsextremen und religiös-extremistischen Kreisen. An dieser Stelle setzt das Aufklärungsprojekt ACHTUNG?! an.

Es wurde 2015 durch das Polizeipräsidium Ludwigsburg entwickelt und wird nun in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg (konex) landesweit angeboten.

Das Theaterstück ist an Schüler und Schülerinnen der 9. Jahrgangsstufe gerichtet und soll für subtile Anzeichen von Radikalisierung und Extremismus sensibilisieren, Schüler und Schülerinnen stark machen und ihnen Werkzeug zum Umgang mit eigener und fremder Gefährdung an die Hand geben.

ACHTUNG?! wurde an der Markgrafenschule Emmendingen durch die Theatergruppe Q-Rage und das Polizeipräsidium Freiburg betreut und verwirklicht. Es beleuchtet zwei extremistische Bereiche – den Rechtsextremismus und den Salafismus – zunächst durch ein Theaterstück. Die Darsteller der Theatergruppe Q-Rage aus Ludwigsburg (Laura Pletzer und Daniel Neumann) schlüpfen dabei immer wieder in die Moderatorenrollen, reflektieren ihre Figuren und beziehen das Publikum aktiv ein.

Im Theaterstück wird die Freundschaft von Lina und dem türkischstämmigen Tarek auf eine harte Probe gestellt, als Lina‘s Vater zu einem jobbedingten Umzug gedrängt wird.

Lina – ein vor Wissen übersprudelndes Mädchen, das die Protagonisten der französischen Revolution für ihren Tatendrang und für ihren Mut zur Veränderung der Welt bewundert .

Und Tarek – ein junger Deutschtürke, der zwischen zwei Stühlen sitzt und wie viele der anwesenden Schülerinnen und Schüler im Publikum nicht weiß wohin er gehört. In seinem Alleinsein kritisiert er, dass die eigene Familie religiöse Praktiken nicht mehr so ausübt wie früher, denn „früher war alles besser“.

Lina‘s Umzug stürzt beide Protagonisten in tiefe Isolation und auf der verzweifelten Suche nach Halt und Zugehörigkeit, klammert sich die Eine an eine Gruppe von rechtsextremen Jugendlichen, welche unreflektierte Parolen wie „Ausländer nehmen uns Deutschen die Arbeitsplätze weg“, „Ausländer unterwandern unsere Nation, die sollen zurück in ihr Land!“, „die Zeit ist reif für Taten!“ besingen und dabei stolz rechte Zeichen zur Schau tragen . Alkohol und Musik mit zweifelhaften Texten stellen für Lina den Einstieg in eine Welt dar, welche ihr zunächst Trost verspricht aber bald dafür sorgt, dass sie die gehörten Parolen unreflektiert in die Welt herausschreit und die Freundschaft zu Tarek in eine Krise stürzt.

Tarek wiederum sucht Trost in Altbekanntem, in den religiösen Praktiken seiner Kindheit. Bald kritisiert er selbst die seiner Meinung nach mangelhafte Auslebung des Islam in der eigenen Familie. Er findet schnell Anschluss bei extremistischen Gleichgesinnten, die ihn zu weiterer Radikalisierung ermuntern.

Bild Projekt Radikalisierung

Besonders eindrücklich werden soziale Medien als Kommunikationsmittel und Möglichkeit zu schneller Organisation und oberflächlicher Informationssuche eingebunden. Tarek findet über Skype mühelos Extremisten, die ihm sagen können welche Gräuel an Ungläubigen begangen werden sollen. Schnell beginnt er selbst Kopftuch tragenden Mitschülerinnen vorzuschreiben, wie sie ihre Religion zu praktizieren haben.

Erwähnenswert ist das bemerkenswerte Fingerspitzengefühl, welches die Theatergruppe Q-Rage im Bezug auf die Abgrenzung des Islam zum Islamismus beweist. So wird Tarek‘s auf der Bühne gespieltes Gebet im Anschluss als friedlicher Akt reflektiert, welcher eine innere Ruhe schafft, keinesfalls als feindlicher Akt. Später wird im Streitgespräch zwischen Tarek und seiner gemäßigten muslimischen Mutter deutlich, wie weit sich Tarek‘s extreme, verständnislose Position von den friedlichen Lehren des Islam unterscheidet.

Im Gedächtnis bleiben auch Lina‘s und Tarek‘s schnelle Ablehnung von politischem Engagement als mögliche Anlaufstelle um Antworten auf ihre Fragen zu finden. Partizipation an Politik wird mit einem amüsierten Schnauben abgetan, bietet den Jugendlichen auf der Bühne offenbar keine Option. Angesichts Greta Thunberg‘s Fridays For Future – Bewegung keine große Überraschung. Zunehmend mehr junge Menschen fühlen sich von der aktuellen Politik nicht mehr abgeholt. So auch viele der anwesenden jungen Zuschauer im Publikum.

www.meldestelle-respect.de

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Politisch motivierte Drohungen, rassistische Beleidigungen und Volksverhetzungen sind auch online strafbar. Bei der Meldestelle respect! Des Demokratiezentrums Baden-Württemberg können rechtsextremistische Vorfälle, Vorfälle von religiös begründeter Radikalisierung und Hassbeiträge gemeldet werden.

Konex (das Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg) bietet Hilfestellung im Bereich religiös motiviertem Extremismus und Rechtsextremismus. Möchtest du aus einer extremistischen Szene aussteigen oder befürchtest du, dass sich eine Person in deinem Umfeld radikalisieren könnte? Konex kann dir weiterhelfen.

Beratungstelefon Rechtsextremismus:

Telefon: 0711 2794544

E-Mail: ausstiegsberatung@konex.bwl.de

Beratungstelefon Islamismus:

Telefon: 0711 279 4555

E-Mail: ausstiegsberatung@konex.bwl.de

Radikalisierung Projekt

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