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BoriS-Siegel

30 Minuten für ein Lächeln

Claudia Falk bei der Übergabe der ersten 23 Briefe an Mitarbeiter des Seniorenheims Bürkle-Bleiche.

Dank COVID-19 waren in den letzten Wochen erste nennenswerte Einschränkungen unserer Bewegungsfreiheit spürbar. Trotz bestem Wetter sollten wir nun beim Spaziergang nur noch zu zweit unterwegs sein und generell immer im besten Fall zwei Meter Abstand zum Nächsten halten. Parties dürfen wir nicht mehr feiern, nicht einmal mehr ein Picknick mit Freunden am See ist erlaubt. Täglich wird um die neuen Infektions- und Todeszahlen gebangt und wir befürchten, dass auch auf uns Ausgangssperren zukommen, dass auch wir in unseren Freiheiten weiter eingeschränkt werden müssen um uns und Andere zu schützen.

Unser gesellschaftliches Leben ist gerade anders, nicht mehr bunt und schnell und laut. Stattdessen langsamer, bewusster, vielleicht für einige sogar einsamer.

Durch all die Veränderungen mag es uns gerade schwer fallen den Blick auf Andere zu richten statt auf uns und manch eigenes unerfülltes Bedürfnis. Aber wenn wir das tun, werden wir vielleicht mit den explodierenden Infektions- und Todeszahlen der USA konfrontiert, deren Oberhaupt den Virus noch lange als westliches Konstrukt anprangerte und von Ausgangsbeschränkungen erst sprach, als die Lage schon außer Kontrolle war. Vielleicht werden wir auch mit den Ängsten und Kurzschlussreaktionen mancher Staaten konfrontiert, die von heute auf morgen Ausgangsperren verhängen und damit ihre Bürger in Notsituationen bringen. Womöglich sehen wir an selber Stelle auch Staatsoberhäupter, die die Nöte von vom Virus schwer betroffenen Staaten nutzen um ihre politischen Interessen durchzusetzen.

Und plötzlich erscheint die Lage in Deutschland nicht mehr allzu schlimm. Die Einschränkungen auf Zeit sind nun durchdachte Reglements um das Infektionsgeschehen einzuschränken. Uns wird bewusst, dass wir genügend Zeit haben uns auf Neuerungen einzustellen und wir wissen eine Regierung zu schätzen, die nicht nur darum bemüht ist die Lage im eigenen Land zu managen, sondern auch den Versuch startet andere schwer betroffene Nachbarländer zu entlasten, indem Patienten in deutsche Krankenhäuser zur Behandlung eingeflogen werden.

Solche Aktionen können wir als fehlplatziert empfinden, (denn es muss doch jeder nach sich schauen!?) oder als ein Beispiel von Fürsorge und Verantwortungsbewusstsein, das uns ein Vorbild sein kann. Anderen zu helfen darf heute den selben (vielleicht sogar einen größeren) Stellenwert einnehmen als in Vor-Corona-Zeiten. Auch wenn wir in unserer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, uns daher nur bedingt ehrenamtlich engagieren können, gibt es für jeden einen Weg die Bedürftigen um uns herum zu unterstützen. Das können Nachbarschaftsaktionen wie ein Einkaufsdienst für ältere Nachbarn sein, das Gassigehen mit Hunden von Heimbewohnern, das Aufhängen von Tüten mit Lebensmitteln an Zäunen für Obdachlose oder die Unterstützung von einzelnen kleinen Aktionen wie der Briefaktion 30 Minuten für ein Lächeln. Dabei schreiben Schüler*innen unserer Schule Briefe an die Bewohner der Seniorenheime Emmendingen und Umgebung. Die Idee dazu hatte Claudia Falk, die unsere Schüler*innen als ihre Deutsch-, EWG- oder Geschichtslehrerin kennen. Sie sieht die Beteiligung an der Aktion als “Blick über den Tellerrand”. “Es gibt andere Menschen, die trifft es noch härter als mich, die haben niemanden sonst, aber ich kann in meiner eigenen schwierigen Lage für andere da sein, für andere ein Lichtblick werden. Das kann auch mich aufbauen.”

Die Bewohner der Heime sind von Restriktionen zu ihrem Schutz gerade erheblich eingeschränkt. Gruppenaktivitäten im sportlichen und künstlerischen Bereich können so nicht mehr stattfinden, Besuche sind nicht erlaubt, auch auf Gottesdienste muss verzichtet werden. Da bietet der Brief eines Fremden eine willkommene Abwechslung und die eventuelle Entstehung einer Brieffreundschaft eine sinnvolle Beschäftigung.

“Menschen, die nicht mehr aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, keinerlei Verbindung zur Außenwelt haben dürfen, könnten sich abgeschrieben, vergessen, aufgegeben fühlen. Wenn diese Menschen aber nun von Fremden einen Brief erhalten, dann spüren sie, dass da draußen an sie gedacht wird, dass sie immernoch Teil der Gesellschaft sind. Das kann sogar überlebensnotwendig für einige sein, die sonst verzweifeln”, so Claudia Falk über ihre Motivation.

Eine der größten Herausforderungen dieser Zeit mag es sein gegen diese Verzeiflung anzukämpfen und den Glauben an die Rückkehr zu einstigen Verhältnissen nicht zu verlieren. Dies kann aber auch eine Zeit sein, in der wir Verantwortungsbewusstsein beweisen und unseren Nächsten als Freund wahrnehmen, nicht als mögliches Infektionsrisiko. Dann können wir bald auf eine Zeit zurückblicken, in der wir uns gegenseitig unterstützten, auch wenn es uns nur 30 Minuten kostete.

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