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Reisebericht

Indien – eine Reise in eine fremde Welt, die doch zu der unsren gehört!

Das Beschreiben jener Reise im Nachhinein zeigt drei völlig unterschiedliche Welten. Die erste Welt, die wir vor knapp drei Wochen verließen – unser Zuhause in Deutschland. Die zweite offenbarte sich beim Ankommen in Indien und in den darauf folgenden Tagen. Doch zu meinem Erstaunen traf ich auf eine weitere Welt – dazu später mehr.

Zur ersten Welt. Wir leben alle in ihr, nehmen sie als selbstverständlich und erkennen dabei nur selten, wie schön sie ist. Die zweite Welt eröffnet uns den Blick über den Tellerrand, so behaupte nicht nur ich. Schon gleich beim Ankommen am Flughafen in Deu-Delhi! Eine völlig andere Atmosphäre.

Teppichboden, indientypischer Geruch. Alles war ganz anders. An „seine Welt“ erinnerten einen lediglich die anderen Mitschülerinnen und Mitschüler, die alle genauso müde und gleichzeitig gespannt auf das Wiedersehen mit ihren Austauschpartnern waren: Ventilatoren kühlten unsere Häupter in dem von schwüler Luft erfüllten Bus.

Der Zustand der Luft machte mir von Anfang an zu schaffen: warm, trocken, verbraucht, Benzingestank!

Aus diesem Grund war der schönste Ausflug für mich ein Ausflug in einen Nationalpark. Endlich mal keine Häuser, kaum Menschen, Ruhe und vor allem: saubere Luft! Die Farbe Grün wurde mir mit zunehmender Zeit mehr und mehr unbekannt! In den Städten findet sich diese Farbe kaum. Die vorherrschenden Farben, in denen fast alles gehalten ist, sind Braun-, Ocker- und Gelbtöne.

Die in indischen Städten frei laufenden Kühe ernähren sich nicht etwa von saftigen Wiesen – sie ernähren sich von dem überall in unvorstellbaren Massen vorkommenden Müll. Da versteht man, warum Inder unseren Schwarzwald oder die Alpen lieben.

Oft begegneten einem traurige Anblicke und viele Dinge, die man zwar irgendwann verarbeitet hat, aber keine umsetzbare Lösung dazu finden kann. Soll man einem zum Krüppel gemachten Mann, dem zwei Beine fehlen, Geld geben? Das Geld geht mit Sicherheit nicht an ihn, es geht an diejenigen, die ihn so zugerichtet haben. Wenn man ihm jedoch kein Geld gibt, so wird er weiter gefoltert werden. Ein Gewissenskonflikt. Am Anfang dachte ich noch: Man muss all diesen Menschen doch helfen. Ohne dass man es bemerkt, wurden die anfangs erschreckenden Situationen rasch zur Normalität.

Fakt ist aber auch, dass die Menschen in der Regel keinen unglücklichen Eindruck machen. Sie sind einfach völlig anders, eine völlig andere Mentalität. Auch in dieser Hinsicht eine andere Welt.

Zurück zu dem angesprochenen Weltmodell. Welt Nummer drei habe ich unverhofft nach meiner Rückkehr nach Deutschland vorgefunden. Die nach der Reise von mir angetroffene Welt – sie ist eine andere, obwohl sich jene Welt nicht verändert hat. Ich hätte keine Probleme damit gehabt, mich auf die Straße zu legen und auf ihr zu wälzen. Sie war doch so sauber!

In Wirklichkeit hat man sich selbst verändert. Man ist zu einer anderen, weiterentwickelten, mit neuen Erfahrungen bestückten Person geworden.

Ich möchte an dieser Stelle all jenen danken, die mir all diese Erfahrungen ermöglichten. Das ist die Schule mit deren Partnerschaften und ihrem Rektor H. Neumann, den die Reise vorbereitenden und mitreisenden Lehrern sowie unserer Schulsozialarbeiterin, meiner gastfreundlichen Austauschfamilie und nicht zuletzt meinen Eltern.

Ich wünsche noch vielen weiteren Schülern, eine solche Erfahrung machen zu dürfen!

Valentin P. R. Schyle
ehem. Schüler der Markgrafen-Realschule